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Schildkröten Haltung

Eine Schildkröte artgerecht halten

Artgerechte Schildkrötenhaltung

Die Haltung einer Schildkröte sollte wohlüberlegt sein und du solltest dich vorher sehr genau darüber informieren, welche Schildkrötenart überhaupt für dich geeignet ist. Insbesondere uninformierte Anfänger machen den Fehler, sich beispielsweise eine Griechische Landschildkröte zu kaufen und vergessen dabei, dass diese Art zwingend ein Freigehege mit Frühbeet benötigt. Ein gelegentlicher „Auslauf“ im Garten ist völlig unzureichend, keine artgerechte Haltung und mit Stress für die Tiere verbunden. Schildkröten sind anspruchsvolle Tiere und nur sehr wenige Arten können in einem Terrarium gehalten werden.

Einer Studie der Universität Leipzig zufolge sterben ca. 70% der als Haustier gehaltenen Landschildkröten. Die meisten davon bereits im ersten Jahr. Dafür verantwortlich ist häufig eine falsche Beratung in Zoohandlungen und dass der Halter sich nicht bereits vor der Anschaffung ausreichend informiert hat.

Haltung im Freigehege oder Terrarium?

Freigehege mit Frühbeet

Für einen funktionierenden Stoffwechsel und ein gesundes Wachstum von Schildkröten sollte man sich immer nach den Bedingungen im natürlichen Lebensraum orientieren: Die wechselwarmen Reptilien benötigen viel Sonne (UV-B-Strahlung zur Bildung des lebenswichtigen Vitamins D3), Licht, Wärme, Feuchtigkeit sowie ein Tag-/Nacht-Temperaturgefälle. Alle klimatischen Bedingungen zugleich sind in einem Terrarium nicht zu erreichen, weshalb ein strukturiertes Freigehege mit Frühbeet notwendig ist.

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Frühbeet / Gewächshaus

Ein Frühbeet oder Gewächshaus ist Pflicht in der Schildkrötenhaltung, da wir hier viel weniger Sonnenstunden haben als die natürlichen Habitate. Der Vorteil eines Frühbeets ist, dass es sich aufgrund der niedrigen Höhe schneller aufwärmt. Der Vorteil eines Gewächshauses ist, dass es begehbar ist und dass es Wärme deutlich länger speichert. Das optimale Schildkröten-Frühbeet bzw. Gewächshaus ist UV-durchlässig und gut isolierend. Wer handwerklich geschickt ist, kann beim Selbstbau Geld sparen. Insbesondere für Jungtiere, die noch sehr versteckt leben und das Frühbeet eher selten verlassen, ist UV-durchlässiges Alltop als Verglasung ideal.

Haltung im Terrarium

Nur wenige Schildkrötenarten eignen sich für die reine Haltung im Terrarium. Nennen möchte ich hier die Ägyptische Landschildkröte (Testudo kleinmanni) sowie die Tunesische Landschildkröte (Testudo graeca nabeulensis). Die Dreizehen-Dosenschildkröte (Terrapene carolina) gehört zwar zu den Sumpfschildkröten, lebt aber eher terrestrisch, also an Land, und kann ebenfalls im Terrarium gehalten werden. Mindestgröße des Terrariums = Panzerlänge der ausgewachsenen Schildkröte x 8. Als Breite mindestens die halbe Länge.

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Winterstarre bei Schildkröten

Europäische Landschildkröten wie die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) halten eine Winterstarre (Hibernation). Auf diese bereiten sie sich etwa einen Monat im Freiland vor, nehmen währenddessen freiwillig keine Nahrung mehr zu sich und verbringen dann 3-5 Monate bei Temperaturen von konstant 4-6 Grad im Kühlschrank.

Während der Winterstarre fährt der Stoffwechsel von Schildkröten fast vollständig herunter und die Herzfrequenz beträgt nur noch ca. vier Herzschläge pro Minute und die Atmung reduziert sich auf ca. zwei Atemzüge pro Minute. Zum Vergleich: Während der Vorzugstemperatur (15°C – 35°C Grad) beträgt die Herzfrequenz einer Schildkröte 11-37 Herzschläge und sie atmet etwa vier mal pro Minute.

Überwinterung bereits im Schlupfjahr

Alle gesunden europäischen Landschildkröten müssen eine Winterstarre halten. Schlüpflinge selbstverständlich bereits in ihrem ersten Lebensjahr. Einzig kranke Tiere oder Weibchen, die sehr unruhig sind und einen Drang haben, Eier zu legen, werden nach Absprache mit einem Tierarzt nicht kalt überwintert.

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Winterstarre einer Schildkröte

Richtige Ernährung

Eine falsche Fütterung gehört zu den häufigsten Fehlern. Landschildkröten fressen ausschließlich Wildkräuter. Obst, Gemüse, Salat oder Katzenfutter gehören nicht auf den Speiseplan.

Naturnahe Fütterung für eine gesunde Darmflora: Futterpflanzen sollten immer Wildkräuter von einer wilden Wiese sein, wie z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich, Disteln, Schafgarbe usw.

Eiablage, Legenot und Krankheiten

Eiablage & Legenot

Voraussetzung für eine erfolgreiche Eiablage von Schildkröten ist ein sogenannter Legehügel (idealerweise 50% Erde / 50% Sand), der an der sonnigsten Stelle im Freigehege platziert werden sollte. Optimalerweise ist dieser leicht Richtung Süden geneigt, damit die Sonne das Erdreich möglichst schnell erwärmen kann.

Europäische Landschildkröten legen – abhängig von den Temperaturen – ab etwa Mitte Mai durchschnittlich 3-6 Eier pro Gelege ab. Zwei bis drei Gelege im Jahr sind keine Seltenheit. Wichtig zu wissen ist, dass Weibchen auch ohne Männchen Eier legen, welche dann unbefruchtet sind. Jedes Schildkrötenweibchen benötigt also zwingend einen Eiablageplatz.

Legenot

Ein häufiges Problem bei Schildkröten ist Legenot. Diese entsteht, wenn eine Schildkröte ihre Eier nicht legen kann oder will und äußert sich durch unruhiges Verhalten bis hin zu Lähmungserscheinungen an den Hinterbeinen. Legenot kann bis zum Tod der Schildkröte führen. Dieser Zustand kann folgende Ursachen haben:

  1. Kein geeigneter Legeplatz vorhanden
  2. Stress (meistens durch aufdringliche Männchen)
  3. Nähr- und Mineralstoffmangel
  4. Plötzlicher Kälteeinbruch

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Krankheiten & Tierarzt

Typische Haltungsfehler wie ungeeignetes Futter, Haltung im Terrarium anstatt im Freigehege, fehlende oder fehlerhafte Überwinterung und zu trockene Haltungsbedingungen führen unweigerlich zu Krankheiten.

Viele Krankheiten bei Schildkröten äußern sich zuerst durch Appetitlosigkeit oder kompletter Nahrungsverweigerung, Durchfall, Bewegungsunlust, Zurückgezogenheit oder sonstige ungewöhnliche Verhaltensweisen wie ein übermäßiges Bedürfnis nach Wärme oder häufigem Eingraben.

Häufigste Krankheiten

Meine Empfehlung vor dem Kauf einer Schildkröte

Schildkröte kaufen

Eine gute Fachliteratur sollte das erste auf der Liste sein, wenn darüber nachdenkt eine Schildkröte zu halten. Meine Empfehlung ist das Buch „Fester Panzer – weiches Herz“ von Thorsten Geier:

Zum Buch im Shop

Sei dir bewusst, dass der Kauf einer Schildkröte eine Anschaffung für das ganze Leben ist. Eine artgerecht gehaltene Landschildkröte kann über 100 Jahre alt werden.

Zwei ausgewachsene Landschildkröten benötigen ein mindestens 20 qm großes Freigehege.

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Ermittlung der passenden Schildkröte

Garten

Du hast dich bereits mit guten Fachbüchern ausreichend über Schildkröten informiert? Du hast einen Garten und kannst mindestens 20 Quadratmeter davon für ein festes und abwechslungsreich strukturiertes Freilandgehege mit Frühbeet oder Gewächshaus zur Verfügung stellen? Du bist dir bewusst, dass eine Landschildkröte eine Anschaffung für das ganze Leben ist?

Dann steht einer Haltung von Europäischen Landschildkröten der folgenden Schildkrötenarten nichts im Weg:

  1. Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
  2. Breitrandschildkröte (Testudo marginata)
  3. Maurische Landschildkröte (Testudo graeca)
  4. Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii)

Kein Garten

Europäische Landschildkröten wie die Griechische Landschildkröte, die Breitrandschildkröte, die Maurische Landschildkröte und die Steppenschildkröte können nicht in einem Terrarium gehalten werden. Diese benötigen zwingend ein geräumiges und gut strukturiertes, dauerhaftes Freigehege.

Für die ausschließliche Haltung im Terrarium eignen sich nur zwei Landschildkrötenarten:

  1. Ägyptische Landschildkröte (Testudo kleinmanni)
  2. Tunesische Landschildkröte (Testudo graeca nabeulensis)

Diese Landschildkröten-Arten benötigen ein großes Holzterrarium, welches oben offen ist. Der Untergrund kann aus Floragard Schildkrötensubstrat oder einem Gemisch aus ungedüngter Erde und Sand bestehen. Als Wärmelampe und UV-Lampe zugleich kommt am besten eine Lucky Reptile Bright Sun UV Desert zum Einsatz.

Desweiteren kann man Dosenschildkröten (Terrapene) oder diverse Wasserschildkröten-Arten in einem Aqua-Terrarium halten.

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